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Schmalhans

29 Mai 2013
N 79° 41' 22.7" E 20° 50' 7.7"
3° C
Sonne
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Schmalhans

Nach einer letztmaligen Suchaktion heute müssen wir unser Lebensmittelfass nun wohl endgültig als verloren ansehen.

Wir sind jedoch nicht richtig verzagt, denn für ca. sechs Wochen sollten unsere Vorräte reichen, wenn wir sparsam sind. Außerdem sollte es möglich sein, den Vorrat durch Selbstgefangenes aufzustocken. Über mehrere Kanäle laufen Bemühungen, uns mit weiteren Lebensmitteln zu versorgen, was aber momentan durch die Eisverhältnisse praktisch unmöglich ist.

Glück im Unglück hatten wir insofern, als dass genau dieses Fass von einem Eisbär gekillt wurde, denn in dem noch vorhandenen Fass sind die Variationsmöglichkeiten der Essenszubereitung erheblich breiter gestreut, als es durch das verloren gegangene möglich wäre. So beherbergt das Fass nicht nur Müsli und Milchpulver, sondern auch Nudeln, Reis, Mehl für Bannoks, Gries, Kekse und Schokolade.

Zusätzlich hatten wir noch ein schönes Stück Parmesan (göttlich) und zwei Kilo Speck (von mir geräuchert aus einem Schwein, dass von Ane und Jan gemästet wurde) sowie drei Kilo Butter mit hierher genommen. Das alles rettet uns nun und bereichert deutlich die Mahlzeiten.

Trotzdem sehen die nicht sonderlich üppig aus. Zum Frühstück gibt es Müsli, maximal 0,4 Liter. Dazu zwei Tassen Tee. Zwischendurch auf der Transportetappe gönnen wir uns jeder 50 Gramm Schokolade und Früchtetee.
Sobald das Lager aufgeschlagen und der Schnee zu Wasser geschmolzen ist und jenes dann kocht, gibt es einen Kaffee mit einem halben Esslöffel Kakaopulver. Da freuen wir uns schon seit dem Morgen drauf.

Zum Abend z.B. eine Suppe aus 25 Gramm Nudeln, angereichert durch einen Esslöffel Butter oder Pemmikan und 20 Gramm Speck sowie einem Brühwürfel. Das Ganze ist jedoch mit ca. 1,2 Liter Wasser für jeden versehen, so dass dadurch ein gewisses Sättigungsgefühl – leider nur für sehr kurze Zeit – wahrgenommen werden kann.

Letzten Sonntag – und das war bisher der absolute Höhepunkt – bereitete Regina ein Reisgericht mit Speck, ein wenig getrockneter Mango, Erdnüssen und Parmesan – mit Chili gewürzt – zu. Wie man sieht, leben wir also nicht ganz so schlecht.

Ich bin nur froh, dass ich fast alles vor der Tour versucht habe, um mir möglichst viele Kalorien einzuverleiben. Bei nachträglicher Betrachtung hätte vielleicht die eine oder andere Kalorie noch zusätzlich für ein kleines Polster sorgen können, aber da bin ich wohl doch von meinen zwei Grundsätzen abgewichen, die da lauten:
A: Soviel essen, wie es geht, denn morgen wird es bestimmt ein langer Tag.
B: Soviel essen, wie es geht, denn man weiß ja nie, was kommt.
Gerade der Grundsatz B kommt jetzt voll zum Tragen. Nun ist es jedoch zu spät. Folglich ufern die Fantasien aus. Da wacht man nachts mit knurrendem Magen auf und träumt von einer Bockwurst mit Senf (!) oder aber einer ordentlichen Schweinshaxe.

Selbst Regina wirft einige Grundsätze über den Haufen. War es bisher Usus, wegen der Eisbärengefahr keine Lebensmittel im Zelt aufzubewahren, rief sie mir gestern zu: “Björn, bring doch bitte den Beutel mit dem Speck, dem Parmesan und der Butter mit ins Zelt!”
Worauf ich meinte: “Äh, wir wollten die Lebensmittel doch draußen aufbewahren!”
Regina: “Das bekommt er nicht! Da muss er es mit mir persönlich aufnehmen!”

(“Er” ist immer der Eisbär.)

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