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Gürtel noch enger schnallen

23 Mai 2013
N 79° 41' 22.7" E 20° 50' 7.7"
-3°° C
Schnee
9 m/s SO
Gürtel noch enger schnallen

Nachdem wir gestern stolze 3 Kilometer im Schweiße unseres Angesichts zurückgelegt hatten, fiel heute morgen die Entscheidung, unser Vehikel für die Fortbewegung im Sommer auf dem Eis zu lassen und “nur” mit dem völlig überladenen Schlitten das Depot anszusteuern. Denn gestern ging nichts mehr. Die Schneematsch-Suppe auf dem Eis und das ungeheure Schlittengewicht ließen für die Hunde und uns jeden Meter zur Qual werden – obwohl wir die fünf besten Hunde der Welt haben! Ursprünglich hatten wir für diese Arbeit die 2. Etappe mit 37 Hunden und sechs Teilnehmer vorgesehen – nämlich unsere Sommerausrüstung und dann das Depot in das Suchgebiet zu transportieren.

Ursache für diese Entscheidung, ohne Trainingswagen zum Depot zu gelangen, war die Knappheit beim Hundefutter. Wir selbst hätten noch eine weitere Tagesration Lebensmittel gehabt.

Bereits wenige Kilometer hinter unserem letzten Zeltplatz besserten sich die Verhältnisse auf dem Eis. Regina, die auf Skiern vorweg ging, wurde bald eingeholt, und auf den allerletzten Kilometern konnte sie sich sogar an den Schlitten hängen. So preschten wir bei starkem Gegenwind dem Depot entgegen.

Dort angekommen war die Freude nicht ganz so ausgelassen, wie erhofft. Die Fässer lagen verstreut im Gelände, und eines fehlt ganz! Zum Glück sind die beiden Fässer mit Hundefutter praktisch noch dort, wo sie abgestellt wurden. Ein Fass mit Lebensmitteln lag 200 Meter weiter unten am Strand. Das zweite Lebensmittelfass konnten wir bisher nicht finden – obwohl wir heute abend mehrere Stunden danach gesucht haben. Eventuell ist es in einem Sturm im letzten Herbst ins Meer geweht worden.

Auf den ersten Blick enthält das gefundene Fass Tee, Kaffee und Müsli für 90 Tage. Sollten wir das zweite Fass nicht finden, gibt es 45 Tage lang Müsli. Das haben wir uns schon immer gewünscht! Und danach? Und in welchem Fass waren die Streichhölzer? Morgen werden wir die drei Fässer zu unserem Zeltplatz bringen und Inventur machen.

Vielleicht sieht das Motto unserer Expedition so aus: Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu. Wie dem auch sei: Die Zukunft wird also nicht langweilig werden, und ein Völlegefühl wird uns nicht täglich begleiten. Heute mussten wir uns bereits mit einer dünnen Suppe begnügen, um die zwei letzten warmen Mahlzeiten für einen Festtag aufzuheben. Aufjeden Fall wird der Gürtel nicht nur wie bisher enger zu schnallen sein. Eventuell passt er im Spätsommer dann zweimal rum.

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