Suche

Blog

Geprügelte Hunde

28 Apr 2013
N 78° 70' 2,7" E 20° 7' 33,9"
-2° C
Schnee
2 m/s SW
Geprügelte Hunde

Das waren zwei Tage, um die uns keiner beneiden wird. Zwei Tage im Eischaos, im Labyrinth, das keinen Status Quo kennt, bei dem sich das Eis innerhalb von Minuten verschiebt, es sich öffnet und Wasserstrassen übrig bleiben, sich riesige Eischollen auftürmen und einem schnell jede Hoffnung nehmen können, hier jemals mit heiler Haut herauszukommen.

Stundenlanges Einhacken auf denkbare Passagen, die sich nach Fertigstellung als für die Hunde unerreichbar herausstellen, weil sich wieder ein großer Spalt aufgetan hat, der mit Mühe und Not gerade noch von der hackenden Mannschaft zurück überquert werden kann, dann öffnet sich unter dem ersten Schlitten ein Spalt, der sich binnen Sekunden als für den Schlittenfahrer unüberwindbar herausstellt: Skiläufer und Gespann auf der einen Seite, Restmannschaft auf der andreren, ewig langes Warten, bis sich ein Übegang gebildet hat, der eine rasche Überquerung erlaubt, freudiges Vereinen der Mannschaft, von Salzwasser getränkte Füße, von dem Schneeregen durchweichte Kleidung.

Doch zuvor ein Eisbär, der aus dem Nichts auf Regina losprescht und dessen Zielstrebigkeit und Geschwindigkeit uns allen den Atem verschlägt. Erst 30 Meter vor ihr wird er mit Knallpatronen zum Halten gebracht (zum Glück hatte Tim sofort das Gewehr draussen)… und dann nähern wir uns endlich wieder der Insel, von der wir uns vor zwei Tagen verabschiedet hatten, die wir bei der – nach wie vor – sehr schlechten Sicht nicht immer vor Augen hatten, selbst wenn wir uns nur 1,5 Kilometer von ihr entfernt durch die Treibeisfelder kämpften.

Mit eingezogenem Schwanz und in geduckter Haltung – wie geprügelte Hunde – näherten wir uns unendlich langsam dem festen Eis der Insel Wilhemlöya, bis wir sie endlich erreichten, unendlich glücklich, uns gegenseitig umarmend, mit Tränen in den Augen: Wie oft hatte ein jeder von uns die Schreckensvison vor Augen, vielleicht selbst hier gerettet zu werden und dabei die Hunde auf dem Eis zurücklassen zu müssen – eine undenkbare Situation.

Das war unser Versuch, die Hinlopenstrasse zu überqueren. Erst nach Mittnacht lagen wir in den Schlafsäcken – glücklich, aber total kaputt. Nun werden die Karten neu gemischt.

Zurück zur Übersicht

Sponsoren